magazine 806073 1920This story is part of a brochure in the making by Noor Badshah Yousafzai who himself came to Germany as a refugee. He is a journalist and contributed articles to media outlets such as e.g. the BBC Pashtu and is also an editor for The Pashtun Express. As soon as the brochure is printed, we'll publish it here on our blog. Until then, we want to share the stories with you individually, one by one. The brochure is funded by "Partnerschaften für Demokratie Treptow-Köpenick" through the programme Demokratie Leben!

Noor Twitter Handle @NBYousafzai

Translation English to German: Dr. Jamila Baluch (Lektorat und Übersetzung)

Photo: private

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German version of the article see below.

 

Omar was eight years old when he started asking prohibited questions. He didn’t shy away from religious questions: “I would ask astonishing questions as per people minds but for me they were merely scientific. How did this universe come into being? Who created it? Unluckily, in my society these questions were considered blasphemous”, Omar states.

As time went on and Omar began reading many books the number of questions he would pose increased. “Even my closest friends left me and no one was willing to play with me because of my critical thinking about culture, religion and social issues. I started to self-doubt myself. Why was I asking such questions? After years I got the answer. It was my creativity. I wish to reach logical end to most of the things happing around me. I am a habitual reader and because of my excessive study, I made mother angry many times.”

Omar was born in Khyber Pakhtunkhwa (KP), Pakistan. This area has remained front line in the war against Russia and later against the Taliban, which affected people’s attitudes and behaviour over the period of a four-decade long warfare. When Omar went through school and college, relatives and neighbours left him completely isolated. Omar’s sin was his moderate, enlightened and liberal thinking.

“It was my dream to preach for women rights, girls’ education, religious harmony, respect of opinion, tolerance and coexistence with different beliefs and ideologies”, Omar Khan says. “Even in this modern era in far flung areas of the province early age marriages and ban on women education with the family is apparent. I faced lots of obstacles due to my preaching the aforementioned thoughts. They would even threat my life”, Omar recalls. ”An unknown person beat severely to the point that I fell unconscious and that’s why I left for Europe in December 2014. I could foresee my own death.”

It was a surprising experience entering Germany, I never been a foreigner anywhere before but read enough books about the rules and laws of modern nations, which was helpful. I had never thought I might live as a refugee one day.” Omar Khan soon became sick in German and was transferred to the hospital.

“It was terrible when the doctor informed me that my bones were badly damaged, It reminded me of the torture in earlier days”, Omar describes. “I would have never recovered in Pakistan due to the expensive cure and unviability of modern health facilities”, he smiles and adds: “I consider it my second chance to life. In Pakistan the society is interdependent but here I know my responsibilities.”

“I love this country. When I stayed in hospital for three weeks, German friends sent me flowers and prayed for my early recovery. I have very good friends here and we have very strong respectable ties on equal basis. My German friends never show me in the slightest way that I am refugee. These people are so lovely, lively and democratic in their way of lives.”

In his smiley face Omar concludes: “This small story is not enough to tell the journey and life in Germany, I wish for writing a book on my experience.” In very serious tone, Omar addresses everyone to respect the refugees because no one wants to live away from home, parents, sisters and brothers.

 

Deutsche Version

 

Diese kleine Geschichte ist nicht genug

Omar war acht Jahre alt, als er begann, verbotene Fragen zu stellen. Er scheute auch nicht vor Fragen zur Religion zurück: „Ich stellte erstaunliche Fragen in den Augen der Leute, aber für mich waren sie rein wissenschaftlich. Wie ist dieses Universum entstanden? Wer hat es erschaffen? Unglücklicherweise galten diese Fragen in meiner Gesellschaft als blasphemisch,“ erklärt Omar.

Im Laufe der Zeit begann Omar, viele Bücher zu lesen und stellte immer mehr Fragen. „Selbst meine engsten Freunde verließen mich, und keiner wollte mit mir spielen wegen meines kritischen Denkens über Kultur, Religion und soziale Themen. Ich begann sogar, an mir selbst zu zweifeln. Warum stellte ich diese Fragen? Nach Jahren bekam ich die Antwort. Es war meine Kreativität. Ich möchte eine logische Erklärung finden für die meisten Dinge, die um mich herum geschehen. Ich bin ein Gewohnheitsleser, und mit meinem ausufernden Studieren verärgerte ich meine Mutter oft.“

Omar wurde in der nördlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa (KP) in Pakistan geboren. Diese Gegend gehörte zur Frontlinie im Krieg gegen Russland und später gegen die Taliban, was die Einstellungen und das Verhalten der Menschen über die Dauer von vier Jahrzehnten des Krieges beeinflusste. Als Omar die Schule und das College abschloss, war er von Verwandten und benachbarten Freunden komplett isoliert. Omars Sünde war sein moderates, aufgeklärtes und liberales Denken.

„Es war mein Traum, Reden zu halten über Frauenrechte, Ausbildung für Mädchen, religiöse Harmonie, Respekt vor Meinungen, Toleranz und ein Zusammenleben mit unterschiedlichen Überzeugungen und Ideologien“, sagt Omar Khan. „Selbst in dieser modernen Zeit gibt es in entlegenen Gegenden der Provinz Eheschließungen in sehr jungem Alter und ein Ausbildungsverbot für Frauen durch die Familie. Ich war mit vielen Hindernissen konfrontiert, weil ich zu den genannten Themen Reden hielt. Ich erhielt sogar Morddrohungen,“ erinnert sich Omar. „Eine unbekannte Person verprügelte mich so heftig, dass ich bewusstlos wurde, und deshalb bin ich im Dezember 2014 nach Europa aufgebrochen. Ich konnte meinen eigenen Tod kommen sehen.“

Nach Deutschland zu kommen, war eine überraschende Erfahrung. Ich war nie im Ausland gewesen, aber hatte genügend Bücher über die Regeln und Gesetze moderner Nationen gelesen, was hilfreich war. Ich hätte nie gedacht, je als Flüchtling zu leben.“ Omar Khan wurde in Deutschland bald krank und kam ins Krankenhaus.

„Es war schrecklich, als der Arzt mich informierte, dass mein Knochen stark beschädigt war. Das erinnerte mich an die Folter durch unbekannte Menschen,“ schildert Omar. „Ich hätte in Pakistan nie gesund werden können aufgrund der teuren Behandlung und des Mangels an modernen Gesundheitseinrichtungen,“ lächelt er und fügt hinzu: „Ich betrachte es als meine zweite Chance auf ein Leben. In Pakistan ist die Gesellschaft voller Abhängigkeiten, aber hier kenne ich meine Verantwortung.“

„Ich liebe dieses Land. Als ich drei Wochen lang im Krankenhaus lag, schickten deutsche Freunde mir Blumen und beteten für meine schnelle Genesung. Ich habe hier sehr gute Freunde, und wir haben eine starke, respektvolle Verbindung auf Augenhöhe. Meine deutschen Freunde zeigen mir in keiner Weise, dass ich ein Flüchtling bin. Diese Menschen sind so wundervoll, lebendig und demokratisch in ihrer Lebensweise.“

Mit einem Lächeln sagt Omar abschließend: „Diese kleine Geschichte ist nicht genug, um die Reise und das Leben in Deutschland zu beschreiben. Ich möchte ein Buch über meine Erlebnisse schreiben.“ In sehr ernstem Ton fordert Omar jeden auf, die Geflüchteten zu respektieren, denn niemand möchte fern von Heimat, Eltern, Schwestern und Brüdern leben.

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